ETF Entnah­me­plan im Ruhe­stand – was in der Entspar­phase wirk­lich wichtig wird

Ein Thema, über das kaum jemand spricht

Wenn man sich in der Finanz­welt umschaut – bei YouTube, in Podcasts oder auf Social Media – dann dreht sich fast alles um den Aufbau von Vermögen. Es geht darum, wie man spart, wie man inves­tiert, welche ETFs die besten sind und wie man möglichst effi­zient Vermögen aufbaut. Das ist verständ­lich, denn solche Themen sind greifbar, leicht zu vermit­teln und lassen sich gut vermarkten.

Was aber kaum vorkommt, ist die andere Seite: Was passiert am Ende der Spar­phase? Also in dem Moment, in dem das Geld nicht mehr ange­legt, sondern nach und nach verbraucht wird – in der soge­nannten Entspar­phase oder ETF Entnah­me­phase.

Dabei ist genau das der Moment, in dem aus einem Depot plötz­lich die finan­zi­elle Lebens­grund­lage wird. Es ist die Phase, in der Fehler deut­lich teurer sind als in der Anspar­zeit. Denn während man in der Spar­phase Verluste wieder aufholen kann, ist das in der Entspar­phase meist nicht mehr möglich.

Und genau hier liegt ein Problem: Viele der Menschen, die heute Vermögen über ETFs oder andere Invest­ments aufbauen, werden später vor der Frage stehen, wie sie dieses Geld sinn­voll und sicher wieder entnehmen sollen. Doch auf diese Frage sind sie kaum vorbereitet.

Warum das Thema so vernach­läs­sigt wird

Die Entspar­phase verkauft sich schlecht. Das liegt nicht daran, dass sie unin­ter­es­sant wäre – im Gegen­teil. Aber der Groß­teil der heutigen Finanz-Commu­nity ist jung und beschäf­tigt sich lieber mit dem Aufbau von Vermögen. Die Vorstel­lung, irgend­wann dieses Vermögen plan­voll wieder zu verbrau­chen, wirkt weit weg.

Hinzu kommt: Inhalte über Geld­an­lage, ETFs und Zinses­zinsen sind emotional positiv besetzt. Sie vermit­teln Fort­schritt, Wachstum und Erfolg. Die Entnah­me­phase dagegen klingt nach Rück­schritt, Verzehr und Verantwortung.

Aber genau hier liegt das eigent­liche Risiko: Menschen werden auf einen Do-it-yourself-Pfad geschickt, der Eigen­ver­ant­wor­tung verlangt – aber kaum Hilfe­stel­lung bietet, wenn das Ziel erreicht ist. Sie lernen, wie man spart, aber nicht, wie man später richtig von seinem Ersparten lebt.

Und selbst das setzt voraus, dass sie die Spar­phase über­haupt diszi­pli­niert durch­ge­halten haben – was keines­wegs selbst­ver­ständ­lich ist. Denn auch in der Anspar­phase schei­tern viele an Verhal­tens­feh­lern: Angst­ver­käufe in Crash­phasen, zu späte Inves­ti­tionen, hekti­sche Stra­te­gie­wechsel. Wer das über­steht, hat bereits viel richtig gemacht – steht dann aber vor der nächsten, oft noch schwie­ri­geren Etappe.

Was in der Entspar­phase passiert

Mit dem Renten­ein­tritt dreht sich der Geld­fluss um: In der Spar­phase floss regel­mäßig Geld ins Depot – in der Entspar­phase fließt es heraus.

Das klingt banal, ist aber ein massiver Perspek­tiv­wechsel. Denn plötz­lich geht es nicht mehr darum, wie viel Rendite man erzielt, sondern darum, wie man aus dem vorhan­denen Kapital dauer­haft Einkommen gene­riert, ohne zu früh zu viel zu verbrau­chen – oder zu wenig und damit die Lebens­qua­lität einschränkt.

In dieser Phase ist es entschei­dend, einen klaren ETF Entnah­me­plan im Ruhe­stand zu haben. Denn die Entspar­phase ist geprägt von drei zentralen Risiken:

  1. Rendit­e­r­ei­hen­fol­gen­ri­siko – die Gefahr, dass ein Börsen­crash gleich zu Beginn eintritt und das Kapital früh stark schrumpft. Wer in dieser Situa­tion weiter feste Beträge entnimmt, beschleu­nigt den Kapi­tal­ver­zehr erheblich.
  2. Lang­le­big­keits­ri­siko – niemand weiß, wie alt er wirk­lich wird. Wer zu knapp kalku­liert, riskiert, dass das Geld vor dem Leben endet.
  3. Verhal­tens­ri­siko – emotio­nale Fehl­ent­schei­dungen, insbe­son­dere in schwa­chen Markt­phasen. Viele verlieren in der Entspar­phase mehr durch Psycho­logie als durch Marktbewegungen.

Die gängigen Empfeh­lungen zur Entnahmeplanung

Die meisten seriösen Finanz­ex­perten und Ratgeber kommen letzt­lich zu ähnli­chen Schluss­fol­ge­rungen, auch wenn sie es unter­schied­lich verpa­cken. Die Kern­aus­sagen lassen sich wie folgt zusammenfassen.

Die 3–4 %-Regel als Orientierung

Als prak­ti­ka­bler Richt­wert gilt eine jähr­liche Entnahme von rund 3 bis 4 % des Kapi­tals. Das bedeutet: Ein Vermögen von 1 Mio. € erlaubt eine anfäng­liche Entnahme von etwa 30 000 bis 40 000 € pro Jahr.

Dieser Betrag kann jähr­lich an die Infla­tion ange­passt werden – aber nur dann, wenn die Markt­ent­wick­lung es zulässt. Die 4‑Pro­zent-Regel ETF gilt als Start­wert, nicht als Garantie. Wer sehr lang­fristig plant oder sicher gehen will, bleibt bei 3 %. Wer zusätz­lich Renten­ein­künfte oder Miet­ein­nahmen hat, kann bis 4 % wagen.

Diese Orien­tie­rung basiert auf lang­fris­tigen histo­ri­schen Analysen, die zeigen, dass solche Entnah­me­raten in typi­schen 30-Jahres-Zeit­räumen in den meisten Markt­phasen ausreichen.

Kapi­tal­ver­zehr ist normal – kein Versagen

Viele Menschen empfinden den Gedanken, ihr Vermögen plan­voll zu verbrau­chen, als unan­ge­nehm. Doch der Versuch, Kapital dauer­haft zu erhalten, führt fast immer zu über­mä­ßiger Vorsicht – und damit zu einem Lebens­stan­dard, der deut­lich unter dem Mögli­chen liegt.

Ein Kapi­tal­ver­zehr im Alter ist völlig rational und kein Zeichen von Fehlern. Ziel ist nicht, mit 95 noch Millionär zu sein, sondern bis zum Lebens­ende finan­ziell entspannt zu leben.

Breite Streuung und nied­rige Kosten bleiben entscheidend

Auch im Ruhe­stand gelten die bekannten Grund­prin­zi­pien: breit diver­si­fi­zieren, Kosten niedrig halten, diszi­pli­niert bleiben, nicht spekulieren.

Ein gut struk­tu­rierter Mix aus Aktien-ETFs (welt­weit gestreut) und Anleihe-ETFs ist auch im Alter sinn­voll. Empfohlen wird meist eine Auftei­lung von etwa 40–60 % Aktien und 40–60 % Anleihen, abhängig von Risi­ko­be­reit­schaft, Einkommen und Entnahmehorizont.

Liqui­di­täts­puffer gegen Börsenschwankungen

Wer im Ruhe­stand von ETFs im Ruhe­stand lebt, sollte ein bis zwei Jahres­aus­gaben auf Tages­geld oder Fest­geld halten. Das dient als Puffer in Börsen­crashs, um in schwa­chen Jahren keine ETF-Anteile verkaufen zu müssen. Damit lassen sich die größten Entspar­ri­siken deut­lich reduzieren.

Entnahmen plan­voll, nicht emotional

Die Entnahme sollte einem festen System folgen – nicht dem Bauch­ge­fühl. Ob das Geld aus Divi­denden oder Anteils­ver­käufen stammt, spielt keine Rolle. Entschei­dend ist die Gesamt­summe, die entnommen wird.

Ein struk­tu­rierter ETF Entspar­plan oder eine klare ETF Entnah­me­stra­tegie kombi­niert mit regel­mä­ßigem Reba­lan­cing verhin­dert emotio­nale Fehl­ent­schei­dungen und schafft Berechenbarkeit.

Flexi­bi­lität statt starrer Regeln

Eine feste monat­liche Auszah­lung ist zwar ange­nehm, aber gefähr­lich, wenn der Markt stark schwankt. Sicherer ist es, Entnahmen prozen­tual am aktu­ellen Depot­wert auszu­richten. Das bedeutet: In schwa­chen Jahren entnimmt man weniger, in starken etwas mehr. Wer flexibel bleibt, erhöht seine Chancen, dass das Vermögen lang­fristig reicht.

Infla­ti­ons­schutz und Realrendite

Infla­tion ist lang­fristig der größte Gegner. Zu starke Umschich­tungen in Fest­geld oder Renten­pro­dukte führen zu schlei­chendem Kauf­kraft­ver­lust. Das Ziel ist also nicht, Risiko voll­ständig zu vermeiden, sondern es gezielt zu steuern, damit die Real­ren­dite positiv bleibt.

Psycho­lo­gi­sche Disziplin

Ein großes Vermögen zu besitzen ist eine Sache – damit rational umzu­gehen eine andere. Im Ruhe­stand geht es nicht nur um Mathe­matik, sondern auch um Psycho­logie: Angst, Sicher­heit, Kontrollbedürfnis.

Viele Anleger reagieren in Abschwüngen über, weil sie das Gefühl haben, Verluste nicht mehr aufholen zu können. Dabei ist gerade dann Diszi­plin entschei­dend. Ein fester Plan hilft, sich selbst vor spon­tanen Entschei­dungen zu schützen.

Das zentrale Problem: Verantwortung

Die Entspar­phase ist die viel­leicht verant­wor­tungs­vollste Phase der gesamten Finanz­pla­nung. Sie verlangt Wissen, Diszi­plin und die Fähig­keit, große finan­zi­elle Entschei­dungen lang­fristig richtig einzuordnen.

Denn hier geht es oft um Vermögen von mehreren hundert­tau­send Euro – Summen, mit denen die meisten Menschen im Alltag nie zuvor umgehen mussten. Dieses Kapital soll über Jahr­zehnte den Lebens­un­ter­halt sichern. Es darf also nicht leicht­fertig ange­tastet werden, weil jeder größere Fehl­griff die finan­zi­elle Stabi­lität der kommenden Jahre gefährden kann.

Genau das ist psycho­lo­gisch schwie­riger, als viele denken. Wer sein Depot im Blick hat und sieht, dass dort 400.000, 600.000 oder gar 1.000.000 Euro stehen, spürt Verant­wor­tung – aber auch Versu­chung. In der Praxis kommt es häufig vor, dass Mandanten diesen „Topf“ plötz­lich als allge­meine Geld­quelle sehen. Eine Reno­vie­rung am Haus, ein Zuschuss für das Eigen­heim der Kinder, Unter­stüt­zung beim Studium der Enkel oder eine größere Anschaf­fung – alles nach­voll­zieh­bare Wünsche, aber genau das falsche Konto dafür. Dieses Kapital ist für die Alters­rente gedacht, nicht für spon­tane Projekte.

Solche psycho­lo­gi­schen Fall­stricke können die lang­fris­tige Planung ruinieren, ohne dass der Betrof­fene es merkt. Die Versu­chung ist dabei nicht nur in der Entspar­phase groß. Schon in der späten Spar­phase – etwa mit Ende 50 oder Anfang 60 – sehen viele auf ein Depot mit einem hohen sechs­stel­ligen Betrag und glauben, sich nun „etwas gönnen“ oder „etwas Gutes tun“ zu können. Wenn dann die Tochter fragt, ob man etwas zum Eigen­ka­pital fürs Haus beisteuern kann, oder ein Freund ein Invest­ment vorschlägt, ist die Schwelle oft nied­riger, als man glaubt.

Das Problem ist: Dieses Geld hat eine Aufgabe. Es ist dafür da, jahr­zehn­te­lang einen plan­baren, stabilen Zahlungs­strom zu erzeugen. Wer es redu­ziert, gefährdet diesen Plan.

Aus genau diesem Grund entscheiden sich manche Menschen bewusst für eine Lösung mit klaren Grenzen – etwa eine ETF-Renten­ver­si­che­rung oder einen vertrag­lich gere­gelten Auszahl­plan. Dort wird das Kapital zwar ebenso inves­tiert, aber die Auszah­lung erfolgt als lebens­lange Rente. Das schützt davor, in Versu­chung zu geraten oder sich selbst zu schaden, indem man unüber­legt Kapital entnimmt. Bei staat­lich nicht geför­derten Verträgen ist übri­gens hier (z.B. im Notfall) auch eine Entnahme möglich — sie ist nur nicht so präsent wie bei einem Depot, dass ich täglich auf dem Smart­phone sehe.

Verant­wor­tung bedeutet also nicht nur, das Geld richtig zu inves­tieren, sondern auch, es nicht anzu­fassen, wenn es emotional gerade „verfügbar“ wirkt. Es bedeutet, die eigene Psycho­logie zu kennen und Struk­turen zu schaffen, die Fehl­ent­schei­dungen verhindern.

Wer das verstanden hat, erkennt schnell, dass der wich­tigste Teil der Ruhe­stands­pla­nung nicht die Rendite ist, sondern die Fähig­keit, mit großen Summen rational umzu­gehen – und sie genau für den Zweck zu nutzen, für den sie gedacht sind.

Fazit: Entspar­phase bedeutet Verantwortung

Die Entspar­phase ist kein tech­ni­sches Detail, sondern der entschei­dende Teil der Alters­vor­sorge. Sie erfor­dert ratio­nales Denken, Diszi­plin und ein Bewusst­sein dafür, dass es nicht nur um Rendite geht, sondern um Lebens­qua­lität und Planungssicherheit.

Nicht jeder wird sich das zutrauen – und das ist voll­kommen in Ordnung. Denn wer erkennt, dass er in dieser Phase lieber auf Unter­stüt­zung setzt, handelt am Ende oft klüger als jemand, der blind versucht, alles selbst zu managen.

Gerade weil es um große Summen und lebens­lange Sicher­heit geht, kann es sinn­voll sein, den klas­si­schen Gedanken der Alters­vor­sorge über Versi­che­rungs­pro­dukte mit einem Invest­ment­an­satz über ETFs zu kombi­nieren. Eine durch­dachte Verbin­dung aus plan­barem Einkommen und flexi­bler Kapi­tal­an­lage kann Stabi­lität und Frei­heit zugleich bieten.

Ein reiner ETF-Spar­plan ist vermut­lich die preis­wer­teste Vari­ante, in Akti­en­märkte zu inves­tieren; eine ETF-Renten­ver­si­che­rung ist für viele aber auch eine Option. Die Gründe können ganz unter­schied­lich sein: Das Geld soll “weiter weg” sein und für die lebens­lange Rente sorgen; man kann aber auch steu­er­liche Vorteile mitnehmen (unter­schied­liche Besteue­rung von ETF-Versi­che­rung vs. Depot) oder auch während der Spar­phase staat­liche Förde­rungen, zum Beispiel durch eine Basisrente.

Kurz gesagt: Die Entspar­phase ist das, was gerne vernach­läs­sigt wird, aber am Ende zählt. Wer in der Spar­phase alles richtig gemacht hat, darf in der Renten­zeit nicht planlos weiter­ma­chen. Denn Vermögen aufzu­bauen ist die eine Sache – davon sinn­voll zu leben, ist eine ganz andere.

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Hinweis zum Jahresende

Das Jahr ist fast vorbei und ich kann keine Termine mehr in 2021 anbieten. Sollte ein Abschluss von Altersvorsorgeverträgen oder Berufsunfähigkeitsversicherungen gewünscht sein, bitte Eiltermin buchen oder eine Eilanfrage stellen. BU geht dieses Jahr nur noch bei einwandfreier Gesundheitshistorie. Ausführliche Risikovoranfrage erst wieder ab Januar möglich.