Praxis­bei­spiel Bauspar­fi­nan­zie­rung PLUS Wohn­riester SCHOCK

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Worum geht es?

Bauspar­fi­nan­zie­rung — ein Beispiel aus der Praxis. Wohn­riester-Scho­cker inklu­sive. Ich zeige Dir, was ein junges Pärchen in einer Bera­tung fast vom Stuhl gehauen hätte.

Inhalt des Videos zur Bausparfinanzierung 

Viele von euch mögen ja Beispiele aus der Praxis. Ich zeige euch jetzt mal einen Darle­hens­ver­träge aus einem Fall, den ich gerade bearbeite. 

Was ist passiert?

Es ist so, dass ein junges Pärchen zu mir gekommen ist, dass meine Videos gesehen hatte und das Gefühl hatte, bei deren Immo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung läuft etwas nicht richtig. Im Gespräch kam dann heraus:

Ja, wir haben jetzt auch kürz­lich ein Gespräch gehabt mit dem Vertreter von der Bauspar­kasse und der hat uns ganz verrückt gemacht, wir müssten jetzt irgendwie noch einen Bauspar­ver­trag abschließen über 100 000 Euro. Das ist jetzt ganz wichtig. Die Baufi­nan­zie­rung wird jetzt demnächst sonst viel zu teuer.”

Sie haben also relativ jung ein Haus erworben und anteilig über Bauspar­kon­strukte finan­ziert. Und ich habe das mit ihnen durch­ge­rechnet und was dabei rauskam im Laufe des Gesprächs, das ist ziem­lich schockierend.

Der Darle­hens­ver­trag aus diesem Fallbeispiel:

Ich zeige euch jetzt den Darle­hens­ver­trag, damit ihr versteht, was eigent­lich passiert ist und warum mich das so aufregt.

Es geht hier im ersten Schritt darum, dass wir eine Finan­zie­rung haben, die insge­samt 237.000 Euro beträgt. Ein Teil dieser Bauspar­fi­nan­zie­rung läuft über ein normales Bank­dar­lehen. Sie haben 2016, im Alter von 20 Jahren eine Immo­bilie gekauft. 77.000 Euro betrug das Bank­dar­lehen, zu Kondi­tionen von 1,65 Prozent, mit 10 Jahren Zins­fest­schrei­bung. Das heißt, dieser Zins von 1,65% ist zehn Jahre lang fest­ge­schrieben und garan­tiert. Danach wird mit der Rest­schuld ein neues Darlehen oder eine Anschluss­fi­nan­zie­rung rausgesucht.

Das bedeutet, sie zahlen für diesen Anteil eine Rate von 234 Euro, darin sind 2 Prozent Tilgung enthalten. Das Darlehen wird jähr­lich abge­baut und das, was über­bleibt, nachdem man 10 Jahre bezahlt hat, wird dann danach finanziert.

Das Gesamt­fi­nan­zie­rungs­vo­lumen ist also höher.

So funk­tio­niert der Bausparvertrag

Zur Finan­zie­rung benutzten beide zusätz­lich einen Bauspar­ver­trag in Höhe von 80.000 Euro. Das Paar hat nun also einen Darle­hens­ver­trag, plus jeweils einen Bausparvertrag.

Bei einem Bauspar­ver­trag hast du drei Phasen. Einmal die Anspar­phase und anschlie­ßend die Zutei­lungen. Diese erfolgt, wenn du einen gewissen Prozent­satz der Bauspar­summe erreicht hast. Für den Rest, den du nicht ange­spart hast, gibt es das Darlehen.

Das Mindest-Spar­gut­haben aus unserem Fall­bei­spiel liegt bei 47 Prozent. Nach Abschluss mussten also mindes­tens 47% von 80.000 Euro, über die Jahre ange­spart werden. Danach folgt das Darlehen. Nun steht im Bauspar­ver­trag, dass dieser Tilgungs­er­satz ist. 

Warum Tilgungs­er­satz?

Das Geld ist zum Zeit­punkt des Kaufs voll­kommen und sofort zu zahlen. Dafür gibt es ein soge­nanntes Vorfi­nan­zie­rungs­dar­lehen. Hierbei wird dir vorab Geld geliehen, welches du dann anstatt einer Tilgung in den Bauspar­ver­trag hinein sparst. Wenn dieser dann zutei­lungs­fähig ist, wird der Betrag in dem Bauspar­ver­trag bzw. Bauspar­dar­lehen abge­zahlt. In diesem Fall liegt der Wert bei 80.000 Euro. 

Falls das noch ein biss­chen unver­ständ­lich war, schaut euch mal das Bauspar-Video an von mir. Da erkläre ich so ein biss­chen, wie das funk­tio­niert. Aber so ist das grobe Konstrukt.

Was bedeutet das jetzt für das Pärchen aus dem Fallbeispiel? 

Das heißt, das Paar kriegt jeweils 80.000 Euro vorge­streckt mit 1,50% Zinsen. Das wird jedoch nicht getilgt. Trotzdem zahlen sie 76 Euro Zinsen. Anstelle einer Tilgung wird dann in einen Bauspar­ver­trag gespart und das in Höhe einer Rate von 230 Euro. Diese 230 Euro bauen sich also zu diesen 47 Prozent auf. Hinterher ergibt sich ein Gutha­ben­stand und schließ­lich ein Bauspar­dar­lehen. Das Darlehen beträgt dann 41.551 Euro.

Das ist beim Bausparen zu beachten

In etwa werden 39.000 Euro ange­spart. Als Darlehen gibt es 41.000 Euro, die abge­baut und getilgt werden. Ein wich­tiger Faktor des Bauspa­rens: Der Zins steht bereits fest, bis das Darlehen zutei­lungs­reif ist.  Bei unserem Pärchen beträgt der Zins 2,85% nomi­nell und insge­samt 3,05% effektiv mit einer Rate von 307 Euro. Beson­ders viel ist das nicht. 

Zusam­men­ge­fasst: 

Das Paar aus unserem Fall­bei­spiel hat also ein Bank­dar­lehen von 77.000 Euro, in welches sie 234 Euro rein­zahlen. Zusätz­lich haben beide einen Bauspar­ver­trag in Höhe von 80.000 Euro. Das Geld wird vorab mit 76 Euro Rate an Zinsen bezahlt und der Bauspar­ver­trag mit 230 Euro im Monat finanziert. 

Das Paar ist Mitt­ler­weile 25 Jahre alt. Sie haben das Ganze also vor 5 Jahren gekauft. Die Idee des Bauspar­ver­tre­ters ist nun, einen weiteren Bauspar­ver­trag abzu­schließen. Sonst erhöht sich die Rate um 800 Euro. Dieser Bauspar­ver­trag hätte jedoch erneute Kosten von 1.600 Euro verursacht. 

Darum macht ein neuer Bauspar­ver­trag keinen Sinn

Was ist denn jetzt eigent­lich das Problem? 

Das Bauspar­dar­lehen ist von vorne bis hinten durch­ge­stylt. In der ersten Phase wird ledig­lich der Zins und parallel der Spar­bei­trag gezahlt. Somit kommen wir auf eine Rate von unge­fähr 307 Euro. 

Nach 14 Jahren und 3 Monaten wird das Bauspar­dar­lehen in Anspruch genommen. Danach kommt es wieder zu 307 Euro Rate und Tilgungs­rate. Es verän­dert sich also im Prinzip gar nichts.

Warum sollte also nach 5 Jahren noch ein Bauspar­ver­trag abge­schlossen werden? Schließ­lich sind beide Darle­hens­be­stand­teile komplett durch­ge­plant. Es ist das Bank­dar­lehen, welches nicht ganz durch­ge­plant ist. Dort gibt es die Zins­bin­dung auf nur 10 Jahre.

Meine Berech­nungen:

Bei meiner Rech­nung gehe ich davon aus, dass die Zinsen bei 1,65% und die Tilgung bei 2% liegen. 77.000 Euro wurden geliehen. Wie viel Rest­schuld ist nach 10 Jahren noch da, wenn die monat­liche Rate 234 Euro beträgt? 

Das Ergebnis beträgt 60.269 Euro Rest­schuld. Dieser Rest ist das Risiko, welches in 5 Jahren entstehen würde.

Was passiert, wenn der Zinst steigt? 

Was passiert wenn, der Zins von den dama­ligen 1,65% jedoch auf 4% steigt? Diesmal liegt das Bauspar­dar­lehen bei 60.000 Euro. 

Damit das Paar bis zur Rente fertig ist, würde bei 4% Zinsen, die Rate bei 260 Euro liegen. Also 30 Euro mehr als bei der Berech­nung mit 1,65% Zinsen. 30 Euro mehr wird man ja nach 10 Jahren verkraften. Wahr­schein­lich ist ja dann das Einkommen auch gestiegen. Aber was passiert denn, wenn jetzt der Zins beispiels­weise auf 6 Prozent steigt? Dann sind wir bei einer Rate von 338 Euro. Nach 10 Jahren kann man schon davon ausgehen, dass das Einkommen in der Zwischen­zeit gestiegen ist. Eine Mehr­be­las­tung von, in diesem Fall 200 Euro sollte dann nicht wirk­lich drama­tisch sein. 

Im Prinzip gibt es also kein Risiko. 

Und was passiert, wenn darauf noch Sonder­til­gungen dazu kommen?

Das ist aber noch nicht alles. Zusätz­lich steckt das Paar jähr­lich noch 300 Euro Sonder­til­gung in das Bauspar­dar­lehen. Somit sind es hinterher nicht 60.000 Euro, sondern um die 20.000 Euro weniger. Ja und dann hatten wir ja damals auch noch einen anderen 100 000 Euro Bauspar­ver­trag gemacht. Ich sage, was noch was? Ja, ja. Also zusätz­lich nochmal einen weiteren Bauspar­ver­trag, wo auch nochmal 360 Euro unge­fähr rein geflossen sind. Ich sage, ja, das ist ja der helle Wahn­sinn, wie viel tilgt ihr denn da? Ich habe dann an der Stelle gesagt, Hut ab, mega mega gut, in so einem jungen Alter so viel Verant­wor­tung über­nehmen und dann auch noch so diszi­pli­niert, hier noch zahlen, da noch zahlen, also die tilgen ohne Ende.

 

Warum aus Tilgungs­sicht und Zins­ri­siko Sicht kein Problem herrscht: 

Und dann kommt dieser Bauspar­ver­treter her und sagt, ja, riesen Panik, großes Problem, wir müssen jetzt hier unbe­dingt was machen. Und ich habe denen gesagt, wisst ihr was, aus Tilgungs­sicht und aus Zins­ri­siko Sicht habt ihr über­haupt gar kein Problem. Es ist so, dass das Bauspar­dar­lehen ja von vorne bis hinten durch­ge­plant ist und insge­samt nach 34 Jahren, was war das? Ne 28 Jahre. Ach nach 28 Jahren durch­fi­nan­ziert ist, also die Vorfi­nan­zie­run­sphase dauert 14 Jahre 3 Monate und das Bauspar­dar­lehen dauert 13 Jahre 8 Monate. Also sind die insge­samt nach 28 Jahren fertig.

 

So, das muss man sich mal vorstellen. Wenn du mit 20 Jahren anfängst, bist du mit 48 mit zwei Drittel des Finan­zie­rungs­vo­lu­mens durch. Das heißt, du hast quasi, du bist noch nicht mal 50 und hast schon fast keine Wohn­kosten mehr, weil das Biss­chen, was jetzt hier noch übrig bleibt, das kannst du links abtragen. Bis dahin hab ich jetzt gar nicht ausge­rechnet, wie viel dann bis dahin, also von 30 bis 48 abge­tragen ist. Aber das ist jetzt fast gar nicht mehr nennenswert.

 

 

Was ist die Lehre daraus?

Lasst euch bloß nicht verrückt machen, wenn Leute erzählen, ihr müsst jetzt unbe­dingt hier noch einen Bauspar­ver­trag hier, einen Bauspar­ver­trag da machen. Das kann durchaus sein, dass das sinn­voll ist, aber man muss es durch­rechnen und man muss es prüfen. Und in dem Fall, gibt es aus meiner Sicht über­haupt gar keine Veran­las­sung, sowas zu machen, weil es wurden ja damals schon quasi ein großer Bauspar­ver­trag mit 100 000 Euro, mit 1600 Euro Kosten abge­schlossen. Dann noch die beiden Bauspar­fi­nan­zie­rungen, die vorfi­nan­ziert sind. Da sind ja schon genug Kosten entstanden. Warum soll man denn jetzt noch einen neuen machen, wo es über­haupt nicht nötig ist? Also, in dem Fall völliger Quatsch, lasst euch da nicht verrückt machen. Das muss man halt genau prüfen. Und auch wenn in meinen Videos, die ich zu diesem Thema in der Vergan­gen­heit schon heraus­ge­bracht habe, drama­ti­sche Situa­tionen entstehen können, dann muss man es aber genau angu­cken, ob es bei einem selber jetzt auch so ist. Und in dem Augen­blick, wo man viel­leicht gerade jetzt einen darüber nach­denkt, eine Immo­bilie zu kaufen, dann muss man es natür­lich vorher vermeiden.

 

Die Wohn- Riester- Verträge 

In dem Fall habe ich gesagt, das ist jetzt übri­gens nicht üblich. Es gibt auch andere Situa­tionen, aber in dem Fall habe ich gesagt, ihr habt kein Problem, was die Tilgung angeht, Komma, ABER. Ja, wie denn, aber? Was denn jetzt noch? Ich sage ja, ihr wisst ja, dass ihr hier in Wohn-Riester Vertrag habt. Ja, nein, eigent­lich ja nicht. Ich sage, doch, das sieht man nämlich in den Bauspar­un­ter­lagen. Und zwar hier, in dem Bauspar­ver­trag, steht zum Beispiel hier, als Sonder­spar­zah­lungen sind Alters­vor­sor­ge­zu­lagen sowie die even­tu­ellen Einzah­lungen aus Ausschöp­fung des förder­fä­higen Höchst­bei­trags für die Alters­vor­sorge-Beiträge nach 10a Einkom­men­steu­er­ge­setz zulässig. Ich sage, das ist schon das erste Indiz dafür, dass das ein Wohn-Riester Vertrag ist.

 

Das Problem der Wohn-Riester Verträge

 

Und dann hab ich mir den Tarif raus­ge­sucht, das ist defi­nitiv ein Wohn-Riester Vertrag. Ja, aber das wollten wir eigent­lich gar nicht. Was heißt denn das jetzt? Ich sage, ja, jetzt zeige ich euch das mal. Weil das Problem, was jetzt an dieser Stelle entsteht, das ist denje­nigen, die man Wohn-Riester Video kennen, bekannt. Für dieje­nigen, die jetzt hier quasi neu dazu­ge­schaltet sind. Ich zeige euch jetzt mal, was das steu­er­lich ausmacht, wenn man Wohn-Riester macht, rein steu­er­lich. Weil das Verkaufs­ge­spräch an der Stelle, wo es abge­schlossen wird, ist ganz einfach. Sage ich ja immer. Die Leute sagen meis­tens, willst du Wohn­ei­gentum kaufen? Ja. Soll sich der Staat daran betei­ligen? Möch­test du Geld geschenkt bekommen? Ja, alles klar, machen wir Wohn-Riester.

 

 

Steuern bei Wohn-Riester

 

Was das mit sich bringt, steht im Einkom­men­steu­er­ge­setz. Und das zeige ich euch gleich mal, das ist der Para­graph 92 a im Einkom­men­steu­er­ge­setz. Es wird ja an irgend­einer Stelle mal eine Steuer fällig. So, gehen wir das mal gemeinsam durch. Das ist in der Situa­tion jetzt ziem­lich krass. Aber grund­sätz­lich trifft es im Prinzip jeden. Du hast jetzt irgend­wann mal ein Haus gekauft oder eine Eigen­tums­woh­nung. Und du machst jetzt Wohn-Riester. Dann ist es halt so, dass du 2100 Euro maximal pro Jahr in den Wohn-Riester Vertrag einzahlen kannst. Und dann ist es im Prinzip auch egal, ob das jetzt Spar­raten sind oder Darle­hens­til­gungs­raten. Das heißt, in der Bauspar­si­tua­tionen ist es ja so, dass man jetzt sagen würde, ihr spart ja quasi einen Bauspar­ver­trag an und kriegt dann halt das Darlehen und zahlt das quasi ab. Das heißt, wir haben hier die Spar­phase, hier haben wir die Tilgungs­phase, weil hier an der Stelle das Darlehen entsteht. Alles was da einge­zahlt wird, wird im Nach­gang auf ein soge­nanntes Wohn­för­der­konto ange­schrieben. Das ist ein virtu­elles Steu­er­konto, wo also quasi einfach nur die Steu­er­schuld aufge­schrieben wird. Das heißt diese 2100 Euro, die werden dann, wenn das Darlehen aufge­nommen wird, rück­wir­kend also in dieser Spar­phase zusam­men­ge­rechnet, mit 2 Prozent pro Jahr verzinst und dann werden die zukünf­tigen Beiträge in der Tilgungs­phase auch nochmal da drauf gerechnet und auch jedes Jahr mit 2 Prozent pro Jahr verzinst.

 

 

Wo findet man das jetzt? 

Das sieht man im Einkom­men­steu­er­ge­setz. Wir haben hier wieder Gesetze im Internet, Bundes­mi­nis­te­rium für Justiz und Verbrau­cher­schutz. Da findet man den Para­gra­phen 92a. Und dann steht hier, nach Ablauf des Beitrags­jahres, letzt­mals für das Beitrags­jahrs zu Beginn der Auszah­lungs­phase, also zu Beginn der Renten­phase, mit 67 also beispiels­weise, ist der sich aus dem Wohn­för­der­konto erge­bene Gesamt­be­trag um 2 Prozent zu erhöhen. Das heißt, du sparst quasi in der ersten Phase des Bauspar­dar­le­hens an, die Beiträge werden dem Wohn­för­der­konto ange­schrieben. Es entsteht aber noch nicht wirk­lich. Also es entsteht erst dann, wenn du das Darlehen von der Bauspar­kasse bekommst, dann aber rück­wir­kend halt auch für die gesamte Spar­kasse. Und es wird jedes Jahr der Saldo des Wohn­för­der­kontos mit 2 Prozent aufgezinst.

 

Die Steu­er­schuld

In dem Fall bedeutet das also, dass diese Spar­phase und auch die Tilgungs­phase im Prinzip bei denen jetzt bis 48 ging. Und das heißt, in der Zeit entsteht dann halt auch ein Saldo auf dem Wohn­för­der­konto, der halt immer weiter ansteigt. Und dann ist es aber nicht zu Ende. Wir haben ja gesehen, dass jedes Jahr weiter verzinst wird sozu­sagen, mit 2 Prozent, also virtuell. Das heißt, ab hier steigt das auch nochmal weiter um 2 Prozent und dann, wenn die mit 67 in Rente gehen, dann wird gesagt, lieber Kunde, lieber Bürger, lieber Sparer, lieber Finan­zierer, alles in einer Person, jetzt bitte die Steuern. Bei denen hieß es quasi, dass die mit 48 ein Groß­teil des Darle­hens fertig haben. Den Bauspar­ver­trag, das Bauspar­dar­lehen durch bezahlt haben und sagen, boah, endlich weg damit! Dann wird noch der Rest auch abbe­zahlt. Viel­leicht ist er an der Stelle durch die extrem hohen Sonder­til­gung schon fertig und dann wohnen die quasi miet­frei. Haben nur noch die Neben­kosten zu zahlen. Und 19 Jahre später kommt ein Brief vom Finanzamt und da steht dann drin, bitte beachten Sie doch mal hier kurz, wir haben hier noch so eine kleine Steu­er­schuld, weil auf dem Wohn­för­der­konto hat sich ja ein biss­chen was ange­sam­melt und das zeige ich euch jetzt mal, wie viel das eigent­lich ist.

 

Die Folgen der Steuerschuld

In dem Fall ist es nämlich so, dass die Zeit hier, in den 28 Jahren hier, dass das zu einem Saldo geführt hat oder hätte oder wird, von 79 363 Euro. Das heißt, alles, was bis dahin einge­zahlt wurde, inner­halb von 28 Jahren, sind 79 363 Euro. 2100 werden nur ange­rechnet und der Rest ist 2 Prozent Zins oben­drauf. So, das ist der Stand des Wohn­för­der­kontos mit 48, aber es geht ja noch weiter. Diese 79 000 Euro werden jedes Jahr weiter mit 2 Prozent verzinst und in dem Fall auf weitere 19 Jahre. Und dann haben die schon geguckt und gedacht, was kommt jetzt wohl raus? Das heißt, aus den 79 000 werden dann hinterher mal 115 000, pro Person. Weil jeder hat ja so einen Vertrag. Das heißt, sie haben ihn hinterher zusammen 230 000 Euro, die sie nach­ver­steuern dürfen. Das sind dann halt nicht ganz 230 000, weil 230 000, wenn es auf einmal versteuern, dann kriegen die einen Rabatt von 30 Prozent. Das heißt, 69 000 Euro werden abge­zogen. Bedeutet also, dass sie nicht 230 000 versteuern müssen, sondern 161 000. Jetzt stell dir aber mal vor, was das wohl steu­er­lich ausma­chen könnte, wenn du zum Renten­ein­tritt einen Brief bekommst, wo drin­steht, du kannst jetzt mal bitte 161 000 Euro nach­ver­steuern. Das ist schon nach Rabatt, weil eigent­lich wären es 230 000. So, jetzt rechnen wir mal ein Steu­er­satz von meinet­wegen 40 Prozent, dann ist das ganz schön viel Geld.

 

Das heißt, dann reden wir hier von einem recht großen Betrag. Wir wissen, dass 161 000 mal 0,4 beispiels­weise, dann sind das halt 64 000 Euro, die an Steuern zu zahlen sind. Jetzt werden die wahr­schein­lich sagen, ja, ne, das haben wir jetzt nicht. Wir wohnen ja jetzt hier schon seit 19 Jahren miet­frei. Wir haben da gar nicht drüber nach­ge­dacht, dass es noch irgendwas mit Steuern gibt, das wurde uns damals auch nicht gesagt. Das haben die übri­gens tatsäch­lich gesagt, dass denen das in der Form gar nicht klar war. Dann sagt das Finanzamt, ja, dann macht das halt monat­lich oder jähr­lich. Das heißt, ihr könnt das dann bis ihr 85 seid, könnt ihr das dann in Raten zahlen. Und dann sagen die, ja wie? Moment mal, wir haben jetzt 19 Jahre miet­frei gewohnt und ab 67 haben wir dann plötz­lich doch wieder eine Miete durch die Steuern. Was ist das für ein Mist? Und das, liebe Freunde, das ist Wohn-Riester.

 

Und in der Situa­tion war das beson­ders drama­tisch, finde ich, weil im ersten Augen­blick musste ich den oder durfte ich denen sagen, dass sie sich keine Sorgen machen müssen, dass die Finan­zie­rung safe, dass sie gut kalku­liert ist und dass die gar kein Problem bekommen werden. Und im nächsten Schritt musste ich denen sagen, aber es ist halt Wohn-Riester und über die Konse­quenzen hat man offen­sicht­lich nicht komplett aufgeklärt.

 

Ich habe jetzt ganz schön lange gemacht. Ich hoffe, das war jetzt nicht zu sehr verwir­rend. Das war jetzt sehr spontan. Aber das war jetzt mal so ein Beispiel aus der Praxis, was da eigent­lich genau passiert, wenn junge Menschen schon anfangen mit Wohn-Riester eine Immo­bilie zu kaufen. Das ist, finde ich, an der Stelle ganz schön drama­tisch und jetzt muss man halt mal gucken, was man daraus macht. Für euch ist es viel­leicht eine Lehre, wenn ihr sagt, wir haben jetzt hier gerade so ein Wohn-Riester Vertrag und wir sind kurz davor, eine Immo­bilie zu kaufen. Oder ihr seid gerade dabei zu verhan­deln und wollt viel­leicht so eine Finan­zie­rung machen mit Wohn-Riester. Es ist nicht grund­sätz­lich schlecht. Ich muss das immer extra dazu­sagen. Ich habe ja witzi­ger­weise unter den Kommen­taren, in den Kommen­taren, bei meinen anderen Videos immer so Kommen­tare von Bauspar­kassen Ange­hö­rigen, also von Vertre­tern, die dann sagen, das ist aber alles so negativ darge­stellt. Das will ich gar nicht damit sagen, dass es grund­sätz­lich schlechter ist. Wenn jemand das ganz bewusst macht, ja, dann soll er das machen. Aber ich habe noch nicht einen einzigen Menschen erlebt, der das bewusst so gemacht hat. Die meisten sagen, ich will das so nicht. Dann kommt ja noch hinzu, dass du bei Wohn-Riester auch noch ganz schön viele Regeln hast. Also wie gesagt, ich verweise nochmal auf mein Video. Guck dir mal das Wohn-Riester Video an, du hast so viele Regeln, die du beachten musst. Kannst du Immo­bile nicht mal einfach so eben verkaufen, nicht mal einfach so vermieten., im Erbschafts­fall im Schei­dungs­fall, ist es alles mega kompli­ziert. Wenn man das aber möchte kann man das machen. Es kann sich durchaus rechnen, weil du kriegst ja in der Zeit auch eine Förde­rung, die muss man gegenrechnen.

 

Aber ehrli­cher­weise ich kenne keinen einzigen Menschen in der Praxis, der wirk­lich freu­de­strah­lend sagt, das mache ich gerne, machen wir so. So, und deshalb kann ich euch nur den Tipp geben, guckt da genau hin und schaut, dass ihr euch nicht unbe­wusst in so eine Wohn-Riester Falle begibt, sondern wenn ihr Wohn-Riester macht, dann macht es wenigs­tens bewusst. Und dann würde ich viel­leicht sogar gucken, dass man diese Steu­er­schuld parallel noch anspart oder die voraus­sicht­liche Steu­er­schuld, damit man sie dann hinterher auch mal beglei­chen kann.

So, das soll es jetzt mal für heute gewesen sein. Und schreibt mir doch mal in die Kommen­tare, wenn das jetzt zu kompli­ziert war, schreib es mir ruhig mal drunter. Ich weiß, das ist jetzt halt hier alles mega spontan und schreibt mir trotzdem mal auch gerne in die Kommen­tare, wie ihr Wohn-Riester findet, nachdem ihr jetzt gesehen habt wie das prak­tisch so aussehen kann. Was haltet ihr grund­sätz­lich von solchen Konstrukten? Und schreibt mir gerne auch mal rein, ob ich zukünftig öfter mal solche Praxis Videos machen soll, weil ich finde, manchmal ist das ganz anschau­lich, wenn man sieht, was da live so passiert.

 

Ich freue mich von euch zu hören. Folgt mir gerne auch auf Insta­gram und wir sehen uns in Kürze wieder. Bis dann der Lehnen.

 

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